Der Menschenfeind

Theater in Freiburg

Alceste, die Hauptfigur der Komödie, erweckt zunächst die Sympathie des Zuschauers: Er kritisiert die Partygesellschaft seiner Zeit (Molière zielte auf die Adelsgesellschaft am Hof der französischen Könige im 17. Jahrhundert, Enzensberger auf die CDU-Schickeria im Bonn der Nachkriegszeit). Er fasst den Entschluss, künftig nur noch aufrichtig und wahrhaftig zu leben. Alceste geisselt also – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen - die Lügen, Schmeicheleien und die Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen. Doch er versteigt sich schon bald in absolute, moralische Forderungen, isoliert sich selbst und wird zum »Menschenfeind«. So muss er eine bittere Enttäuschung um die andere erleben, zunächst mit seinem »anpasserischen« Freund Philinte, später auch mit seiner Geliebten Célimène. Diese ist eine bezaubernde und geistvolle Königin der Salons. Sie lehnt sein Angebot ab, zusammen mit ihm der Oberflächlichkeit der Hofgesellschaft zu entfliehen und dafür die Einsamkeit auf dem Lande zu suchen. Sie hat keine Lust, das reizvolle Spiel wechselnder Flirts gegen das Alleinsein mit einem mürrischen Misanthropen einzutauschen.

Molières tragisch-komischer Held verkörpert einen wahrheitsbesessenen Idealisten, der an der Wirk-lichkeit leidet und gleichzeitig diese verändern will. Doch wieviel Wahrheit erträgt der Mensch? Und ist die Lüge nicht längst ein Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens geworden?

 

Mit Alceste schuf Molière – sicher nicht ohne Bezug auf seine eigene Lebenssituation – eine der widersprüchlichsten und komplexesten Figuren seiner Komödien. Bezeichnenderweise durfte das Stück zu seinen Lebzeiten am Hofe nie aufgeführt werden. In den letzten Jahren unseres Jahrhunderts erfolgte jedoch eine erfolgreiche Inszenierung nach der anderen: ein Beweis für die Zeitlosigkeit dieses Meisterwerks.

Die Hauptfigur Alceste kritisiert die Partygesellschaft seiner Zeit.

(Molière zielte auf die Adelsgesellschaft, Enzensberger auf die CDU-Schickeria.) Alceste verkörpert einen Idealisten, der an der Wirklichkeit leidet und diese verbessern will.

Doch wieviel Wahrheit erträgt der Mensch?

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Info

Equilibre

Fr 6. November um 19:30
2015

Volltarif 45,00 CHF
Ermässigter Tarif 40,00 CHF

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